Projektbeschreibung
Projektbeschreibung
Die Kirchen und Kirchenräume des Weinviertels und Marchfelds zählen zweifelsohne zum kulturellen Erbe unseres Landes. Die hoch aufragenden, schon von weitem sichtbaren Kirchtürme sind Teil unserer Kulturlandschaft. Der Besuch von Kirchen liegt im Trend, nicht unbedingt im Rahmen eines Gottesdienstes, aber als fester Programmpunkt privater Ausflüge oder geführter Reiseveranstalter. Das hängt auch mit dem Phänomen „Pilgern“ zusammen.
Der Ausbildungslehrgang zur Kirchenführer:in hat zum Ziel, die am Kurs Teilnehmenden zu befähigen, „ihre“ Kirche (Heimat-, Pfarr- oder Lieblingskirche) zum Sprechen zu bringen und einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Dies erfolgt einerseits durch die Vermittlung grundlegender Kenntnisse in Theorieseminaren, etwa der Epochen der Regional- und Kunstgeschichte. Darüber hinaus bietet der Lehrgang die Erschließung eines geistig-geistlichen Konzepts in der Form an, dass ausreichend Lernzeit für das Gewordene, die Begegnung und Auseinandersetzung mit den „Subjekten“ in der Kirche eingeräumt wird. Dafür dienen die Praxisstunden, rund die Hälfte der Ausbildungszeit, die in der angeleiteten Erarbeitung ausgewählter Kirchen bestehen. So steht an jedem der zweitägigen Wochenendtreffen (Fr. und Sa.) eine Exkursion und Begegnung mit einem bereits ausgebildeten Kirchenführer vor Ort am Programm.
Projektinhalt (Hauptmaßnahmen/Aktivitäten)
Der Kirchenführer:innen-Lehrgang setzt sich aus den Teilen Kirchenbau, Führungspädagogik, Regionalgeschichte, Liturgie, Organisation und einem hohen Anteil Praxis zusammen.
Ad) Kirchenbau
Die Vermittlung hinsichtlich des Kirchenbaus beginnt mit Basiswissen zu Gebetsräumen und Gotteshäusern. Es wird aber nicht nur das römisch-katholische Gotteshaus thematisiert, sondern auch Synagoge, Moschee und Tempel. Darauf aufbauend widmet sich der Kurs dem Kirchenbau von der Antike bis in die Moderne. Wissenswertes über die Architektur von Klöstern und Stiften sowie die Themen Restaurierung, Renovierung und Umbau runden diesen Block ab.
Ad) Führungspädagogik
Ein zentraler Ausbildungsschwerpunkt bildet die Entdeckung einer Kirche durch Sprechen und Präsentieren. Mit dem Öffnen einer Kirchentür eröffnet sich ein spiritueller Raum, der mit allen Sinnen (Licht, Akustik, Geruch) wahrgenommen werden soll. Die Teilnehmer:innen werden im Hinsehen, im Suchen, im Beschreiben und im Entschleunigen angeleitet. Beleuchtet wird auch der rote Faden einer Kirchenführung und was damit vermittelt werden möchte. Schließlich werden verschiedene Typen von Kirchenführungen vorgestellt.
Ad) Regionalgeschichte
Gemäß dem Titel des Kirchenführer:innen-Lehrgangs „Von Stiftspfarren und Wallfahrtskirchen“ gehen diese Einheiten der Frage auf den Grund, warum es im Weinviertel und Marchfeld wenige Klöster und Stifte gibt, aber eine ansehnliche Zahl von
inkorporierten Pfarren (Pfarrseelsorge durch Mönche, Pfründe) existiert. Abschließend soll den mannigfaltigen, wechselseitigen Abhängigkeiten von „Herrschaft & Kirche“ nachgegangen werden.
Ad) Liturgie
Zuerst wird die Geschichte der Liturgie im Wechselspiel der Epochen beleuchtet; sodann widmet sich der Kurs dem Kirchenraum als Ort der Liturgie mit seinen Bildern, Symbolen und Zeichen. Fehlen darf nicht das Wallfahrts- und Pilgerwesen – ist doch das Weinviertel für seine Pilgerwege (Jakobsweg, Franziskusweg, Hofbauerweg) bekannt, weshalb den prächtigen Wallfahrtkirchen besonderes Augenmerk geschenkt wird.
Ad) Organisation
Die Organisation beginnt schon im Vorfeld auf Basis eines elaborierten Kurskonzepts.
Zu diesen Vorarbeiten zählen der Start der Bewerbung, die Herstellung der Kursunterlagen, die Rekrutierung der Referent:innen sowie die Reservierung der Schulungsräume und (Praxis-)Kirchen.
Der eigentliche Kursstart umfasst die Vorstellung der Teilnehmer:innen und die Einführung in das Kursprogramm. Während des Kurses erfolgt eine organisatorische und fachliche Begleitung der Teilnehmer:innen durch die beiden Kursleiter (Redl, Zeller), etwa die Hilfestellung bei der Abfassung der Abschlussarbeiten (Literatur) und deren Kurzpräsentationen sowie Rückblick und Evaluation des Kurses. Der Lehrgang endet mit der Zertifikatsverleihung.
Ad) Praxis – Exkursionen
Rund die Hälfte der Ausbildung ist praxisorientiert. Das am Vortag Gehörte und Gelernte wird am folgenden Tag in ausgewählten Kirchen im Weinviertel und Marchfeld erprobt. Dazu bedienen wir uns ausgebildeter Kirchenführer:innen, die bereits Erfahrungen mit Gruppen gesammelt haben. Folgende Stifts- und Wallfahrtskirchen werden zur Ausbildung herangezogen: Wallfahrts- und Stadtpfarrkirche Groß-Enzersdorf, Stiftspfarre Weikendorf, Pfarrkirche Pulkau, Stadtpfarrkirche Poysdorf/ Wallfahrtskirche Maria Bründl und Pfarrkirche Hadersdorf/Kamp.
Projektziel und Nutzen
Der vom Katholischen Bildungswerk organisierte und durchzuführende Kirchenführer:innen-Ausbildungslehrgang verfolgt 2 Ziele:
1)
qualitative Verbesserung von Kirchenführungen
2)
Verdichten des Netzes von Kirchenführer:innen im Weinviertel
ad 1)
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass es mehrere Akteure gibt, die Kirchenführungen durchführen. Das Katholische Bildungswerk Wien möchte einen Professionalisierungsschub mit dem Ausbildungslehrgang einleiten und richtet sich neben interessierten Laien auch an von der Pfarre beauftragte, bereits tätige Kirchenführer:innen sowie an Fremdenführer:innen. Der Grund liegt in der thematischen Breite und spirituellen Tiefe des Lehrgangs! So wird ein profunder Überblick über die Entwicklung des Kirchenraumes von der Antike bis zur Gegenwart geboten. Daneben wird auf regionale Besonderheiten eingegangen, in unserem Fall auf die Stiftspfarren und Wallfahrtskirchen. Sprechen und Präsentieren von Kirchenräumen will gelernt sein. Methoden wie Raumwahrnehmung und Betrachtungsweisen von Bildzyklen („visuelle Exegese“) nehmen einen Schwerpunkt in der Ausbildung ein. Ein Alleinstellungsmerkmal bilden die Module, die sich mit dem Kirchenraum als Versammlungsort auseinandersetzen, etwa durch die Geschichte der Liturgie und ihre Auswirkung auf Kirchenbau und Raumgestaltung, durch Symbole und Zeichen sowie durch Bilder und Ikonografie. Nicht zu vergessen ist der hohe Praxisanteil der Ausbildung, das learning by doing, das Lernen am Objekt oder der Austausch mit bereits ausgebildeten Kirchenführer:innen. Bei einer solchen Art von Kirchenführung sind alle Ausbildungsmodule von Verlangsamung, Versinnlichung und Fokussierung geprägt.
ad 2)
Neben der qualitativen Verbesserung der Ausbildung mittels der Anreicherung von kirchenpädagogischen Inhalten, steht die Verdichtung des Netzes der vom Katholischen Bildungswerk ausgebildeten Kirchenführer:innen im Vordergrund. Auf das krasse Missverhältnis von Kirchenführer:innen zur Anzahl der Pfarren (nicht Kirchen!) wurde bereits hingewiesen. Von den 57 auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien tätigen Kirchenführer:innen entfallen 15 (26%) auf das Vikariat Nord (Weinviertel), 25 (44%) auf das Vikariat Süd (Industrieviertel) und 17 (30%) auf das Vikariat Stadt (Wien). Vor gut 15 Jahren wurden in jedem Vikariat Kirchenführer:innen-Lehrgänge durchgeführt. 2018 konnte vom Katholischen Bildungswerk Wien ein Lehrgang zum Thema „Wehrkirchen“ abgehalten werden. Dieser stand im Zusammenhang mit der Niederösterreichischen Landesausstellung im Raum Wiener Neustadt. Das dürfte auch der Grund sein, warum das
Industrieviertel über die meisten Kirchenführer:innen verfügt. Förderung trägt eben Früchte! Mit Hilfe des LEADER Kooperationsprojekts und der geförderten Mittel (Verteilung: 40/20/20/20) wird es möglich sein, einen ebenso erfolgreichen Lehrgang im Weinviertel auf die Beine zu stellen, um das Netz der Kirchenführer:innen enger zu spinnen. Auf diese Weise sollen unsere Kirchen zum Sprechen und Strahlen gebracht werden.
Foto: Briana Pfaffel
Projektdetails
| Projektträger | Katholisches Bildungswerk |
| Gesamtkosten (Anteil Region Marchfeld) | € 6.079,34 |
| Förderung (Anteil Region Marchfeld) | € 4.863,47 |
| Projektlaufzeit | Jänner 2026 – Juni 2027 |
| Fördersatz | 80% |
| Aktionsfeld | AF2 – Natur und kulturelles Erbe |
| Beschlossen in der PAG-Sitzung am | 10.11.2025 |
